Sonne, Sand und Meer

Endlich! Nachdem wir unseren feuchten Ausflug ins australische Hinterland Queenslands überlebt und noch am selbigen Abend bei Live-Musik und tooheys fröhlich begossen hatten, begrüßte uns am nächsten Morgen die Sonne. In der Küche unseres Hostels fand ich unter dem free food ein kleines Glas Nutella und einen verschwindenen Rest Instantcoffe und der Tag hätte nicht besser beginnen können, als mit einem ausgiebigen Frühstück auf der Terrasse unter Palmen. Aber wahrscheinlich hätte mir alles mögliche an diesem Morgen zustoßen können. Es konnte praktisch nur noch besser werden. Da meine beiden Herzallerliebsten noch ordentlich einen in der Krone hatten und unsere Nacht im Riesendorm mit 14 Betten ihrem Ausnüchterungsprozess nichts zu Gute taten, ging die heutige Fahrt an mich und nach mehreren Gratisrunden in den Kreisverkehren Noosas (Australiens Kreisverkehrsreichste Stadt) fanden wir uns gegen Mittag in Rainbow Beach ein. Der Name versprach mehr, als er halten konnte, aber schließlich waren wir nicht zum baden hier. Rainbow Beach ist nur der Ausgangsort für Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt, wo angeblich mehr Sand liegen soll, als in der Sahara. Zumindest damals. Nach unserem dreitägigen Besuch hatten wir auch einen nicht unerheblichen Anteil des Sandes im Auto. Aber bevor es auf die Insel gehen konnte, mussten wir uns von einem Lehrfilm über die Gefahren, die uns dort ereilen konnten, aufklären lassen. Danach hatte ich schon gar keine Lust mehr. Neben den Gefahren, die ich als doof, aber im Falle des Eintretens okay einstufen würde, wie zum Beispiel mit dem Jeep im Sand stecken bleiben, Sand im Zelt und gegen den Wind pinkeln (kein Witz), gab es auch die Gefahren, die mir zeigten, dass wir aller Wahrscheinlich nach nicht vollständig unseren Trip fortsetzten würden. Auf Fraser Island gibt es die 14 tödlichsten Spinnen der Welt (und nur Gott weiss, wie die Viecher aussehen), die tödlichsten Schlangen Australiens (eine Woche zuvor wurde ein Backpacker durch einen Schlangenbiss getötet, weil er das Zelt über Nacht nicht richtig geschlossen hatte, obwohl man, bevor man auf die Inseln gelassen wird, dafür unterschrieben muss, dass man diesen besagten Film gesehen und verstanden hat - naja, vielleicht war unser Freund ja Asiate, die nicken ja bei allem), Haie, Stachelrochen und Würfelquallen ("don't touch the water!!!") und Dingos, die man, wie uns der freundliche Herr im Film mitteilte, neuerdings auch abschiessen durfte, da einer dieser hundeähnlichen Tierchen einmal ein Baby zum Mittag genoss. Na zum Glück hatten wir alle unser Maschinengewehr dabei. All dies erzählte uns der Mann im Film mit einer - Entschuldigung - Arschgelassenheit, als ob dies zu den natürlichsten Dingen der Welt gehört. Ich war beunruhigt. Und um dies vorab zu nehmen, oh Wunder, ich habe überlebt, obwohl mir jedes dieser einzelnen Tiere in den folgenden drei Tagen begegnete. Ok, ob die Spinnen, die wir sahen und einige von uns an ihren Klamotten hängen hatten, zum Glück nicht ich, wirklich giftig waren, weiss ich nicht, aber ich nehme es in meiner Phantasie gerne an, um die Sache spektakulärer zu gestalten. Und nun ein letztes Wort zu diesem Stückchen Filmgeschichte. Wie ich im Laufe meiner folgenden Reise festgestellt habe, gilt der gemeine Australienbesucher erst dann als wirklicher Reisender und Australienkenner, wenn er die Dingo-Abwehrstellung in allen ihren Einzelheiten vollständig beherrscht. Aber das mach ich hier jetzt nicht vor. Nur soviel sei verraten: die Abfolge diffiziler Bewegungen in Verbindung mit bestimmten Worten, an deren Ende ich dem Dingo erkläre, dass er jetzt aber bitte nach Hause gehen soll, gilt in Australien als Insider. Wichtigste Vorraussetzung dabei ist, dass der Dingo fließend Englisch spricht. Bei derartigen Auseinandersetzungen bleibt in der Regel keine Zeit, auf den Dolmetscher zu warten. Und auch wenn Eigenlob stinkt, ich beherrsche dieses kleine Manöver perfekt und wenn ich eins mit Sicherheit über meine Zukunft sagen kann: einem Dingo werde ich niemals als Mahlzeit dienen, noch nichtmal als Snack! Am nächsten Morgen sollte um acht Uhr unser kleines Abenteuer starten, australisch pünktlich hatten alle um zehn geduscht. Unsere Gruppe bestand aus elf Mann, drei Frauen, der Rest tat männlich und ich war die einzige Deutsche. Das muss ich ausdrücklich dazu sagen, da dies zumindest eine absolute Ausnahme in Australien ist und ich wieder einmal eigenlobend unterstreichen möchte, dass mein Englisch mittlerweile so gut war, dass ich auch in dieser Sprache Spass haben konnte. Nachdem wir unseren Jeep beladen hatten, der Alkohol war das Einzig richtig angeschnallte, setzten wir mit der Fähre über und los gings. Eine Gefahr, vor der man mich nicht im Video gewarnt hatte, war ein Ire am Steuer. Kurzentschlossen übernahmen wir Frauen das Steuer und, ungelogen!, es gab keine Beschwerden von der männlichen Front. Die hatten sich selber mit Bier ruhig gestellt. Die nächsten Tage verliefen relativ ähnlich. Wir alle waren der Faszination für diese wunderschöne Insel vollkommen hingegeben. Der kilometerlange, breite, menschenleere Strand war unsere Straße und bot den meisten Spass, den man als Autofahrer je auf der Welt erleben kann. Da waren wir uns alle einig. Es ist ein einmaliges Gefühl, den Strand entlang zu rasen, links der Regenwald, rechts das Meer und über uns der strahlend blaue Himmel! Wenn wir nicht im 4W (der Profiname für unseren fahrbaren Untersatz) unterwegs waren, machten wir uns eine schöne Zeit am Lake McKenzie (dem blausten See, den ich je gesehen habe), an den Champagne Pools, am Indien Head oder am Lake Wabby, alles natürliche Sehenswürdigkeiten, die diese Einstufung mit Recht tragen. Hiermit erkläre ich Fraser Island als atemberaubend schön! ...mit atemberaubenden Abenteuerfaktor, wie man ihn sich vorstellt, wenn man als noch nie Dagewesender ans ferne Oz denkt. Gefahren am Strand (doppeldeutig zu lesen), Tiere der unmöglichen Art, übernachtet im Zelt, strenger Zeitplan, bevor man von der Flut geholt wird, Inlandtracks - praktisch nicht vorhandene Wege, die ins Innere der Insel führen, jedoch nur aus hohem, unbefestigtem Sand bestehen und sehr zum Umkippen des Fahrzeuges einladen, so wie breakaways, Unerspülungen des Sandes, die mit selbigen Effekt, nicht sichtbar am Strand lauern. Alles in Allem ein riesen Gaudi! Wen stört da schon der ein oder andere Dingo? Aber so wie alles hatte auch dieser Spaß irgendwann ein Ende, für uns leider schon nach drei Tagen. Auf den letzten Metern, dies ist wortwörtlich zu betrachten, das erste Mal im tiefen Sand stecken geblieben, ging es vollzählig, oh ja, alle überlebten (wie wir dem Mann in unserem Lieblingsfilm nur zu gerne aufs Brot geschmiert hätten, nachdem er uns ein so schlimmes Ende vorher gesagt hatte), zurück nach Rainbow Beach. Auch dieses Abenteuer begossen wir noch am selbigen Abend feuchtfröhlich bei unserem gemeinsamen Barbie (nein, es handelt sich um keine Puppe, sondern um die australische Abkürzung für ein Barbeque). Ach ja, Australien... an der Ostküste trinkt man auf alles, vor allem aber darauf, dass man noch lebt! In diesem Sinne, auf einen neuen Tag, der uns, auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, ins wunderschöne Town of 1770, auch genannt Agnes Water, führen sollte! Dorthin, wo für James Cook, den gepriesenen Entdecker Australiens, noch die Welt in Ordnung und das Leben schön war.

24.7.08 23:41

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen