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Die letzten Tage in versuchter Kurzform

Eigentlich hat sich hinsichtlich meines Tagesablaufs noch nicht viel veraendert und doch sehr viel. Waehrend ich mir immer noch jeden Tag die Versen nach einem job abrenne, hat meine Mitreisende Caro bereits einen in einer Falaffelbude gefunden. Hier Arbeit zu finden haengt enorm vom glueck ab. Die Backpackerschwemme ist zur Zeit extrem, alle suchen hier im Sueden nach Arbeit, weil es im Norden langsam zu heiss wird und Sydney ist halt Sydney. Da die Stadt einfach unglaublich teuer ist - hier mal U-Bahn fahren, dort was trinken, da der Eintritt - bin ich gestern in ein anderes billigeres Hostel gezogen, dessen niedriger Preis leider absolut gerechtfertigt ist. Fuer die naechsten zwei Wochen hab ich einen sehr gut bezahlten Job, Flyer verteilen, der aber, wie gesagt, befristet ist. Wenn ich bis dahin nichts festes finde, werde ich weiter ziehen, wahrscheinlich nach Port Douglas, aber das steht alles noch nicht fest und ich bleibe spontan.

 

Trotz der aufwendigen Jobsuche bleibt mein Unternehmungsdrang aber nicht auf der Strecke. Gestern war ich am Darling Harbour auf einem italienischen Festival und habe mir eine interessante Austellung mit Fotografien der Erde von oben angeschaut. Vorgestern war ich im Aquarium. Es ist ein wahnsinniges Gefuehl, durch Glasroehren zu gehen und 20 cm neben einem schwimmt ein 3m langer Hai entlang oder ein Rochen von der Groesse eines Sonnenschirmes. Unter den Fischen in allen Formen, Farben und Groessen waren leider Exemplare dabei, die mich veranlassen, dieses Jahr in keinem natuerlichen Gewaesser zu schwimmen. Einfach zu gross, zu eklig oder zu toedlich.

Okay, zugegeben, ich war die letzten Tage oft am Strand. Der Winter hier entspricht schon unserem Hochsommer und nach 2 Stunden im sand braten, hatte ich schon die Braeune fuer die ich zuhause ein Jahr brauche. Das Wasser ist leider noch relativ kalt und so salzig, dass ich 10 min nach dem Schwimmen immer noch nicht scharf gucken konnte und die Haut am Abend noch brannte.

Nun nutze ich die Stichwoerter arbeitslos, toedlich und Strand der letzten Absaetze fuer eine Ueberleitung zu meinem letzten Thema. Ich war vor ein paar Tagen alleine wandern. Eine wunderschoene, absolut sehenswerte Kuestenlinie am Pazifik entlang. Dabei musste ich leider feststellen, dass ich bei jedem Stock, ueber den ich stolperte, zusammen zuckte, weil es eine Schlange haette sein koennen. Caro hat mich also schon mit ihrer Angst, durch Schlangen, Spinnen oder sonstiges Getier zu sterben, angesteckt. Nachdem mich dann auch noch irgendwas gestochen hat, kann ich mich heute gluecklich schaetzen, dass mein Arm wieder allen Schmerzen und Befuerchtungen heute noch an seinem Platz ist. Generell erwartet jeder von uns hier den Tod auf eine andere Weise. Waehrend ich immer noch vor jedes Auto renne und Caro alle Tiere fuerchtet, weist unsere eine Mitbewohnerin uns mehrmals taeglich, selbst im Schatten auf das hohe Hautkrebsrisiko hin, die naechsten haben Angst zu verdursten und einigen prophezeihe ich den Tod durch einen zu schweren Rucksack, sie werden sich einen Bruch heben oder dergleichen. Das kann mir leider auch noch passieren, hier kann man einfach zu wunderbar einkaufen...

 

Wie ihr seht, kommt hier den Tag ueber nie Langeweile auf. Die Abende verbringe ich immer mit Leuten aus dem Hostel. Hier sind, wie schon zu oft gesagt, alle furchtbar nett. Kerstin und Konrad (von hier aus herzlichst gegruesst mit einem Dank fuer die schoenen Abende und Fruehstuecke), (zur Erklaerung fuer alle anderen: zwei wunderbare Hostelmitbewohner, die leider schon wieder in Deutschland sind), haben mich nun mit einer Idee angesteckt, die ich nun als mein grosses Australienziel nehme: mit einem Camper oder anderem Auto selbst durchs Outback fahren und die Natur live erleben. Nur leider fehlt mir fuer diesen Traum noch das Geld und daher geh ich jetzt weiter auf Jobsuche. Die zweite und wahrscheinlich noch groessere Huerde ist, Caro von dem Plan zu ueberzeugen. Aber das klappt auch noch. Vielleicht finde ich in naechster Zeit etwas, mit dem ich sie erpressen kann...

2.10.07 07:51, kommentieren



Die letzten Tage sind gezaehlt

In den letzten Tagen hat sich eine Menge veraendert: meine Jobsuche hat ein Ende! Nach dreiwoechigem Klinken putzen, bin ich seit freitag gleich dreifach angestellt. Aber ich versuche, von vorne zu erzahlen.

Vormittags verteile ich immer, wie ich glaub ich schon erzahlt habe, Flyer. Ist wenig spektakulaer, aber ich verdiene gut und kann die ganze Zeit Musik hoeren. Da diese Arbeit nur auf 2 Wochen begrenzt ist, reicht das natuerlich nicht. Ausserdem ist Sydney einfach nur teuer. Am Donnerstag sah meine Suche immer noch fruchtlos aus und ein Ende der Erfolglosigkeit war nicht in Sicht. Also hatte ich schon fest beschlossen, am naechsten Tag meinen Abflug nach Cairns zu buchen und von dort aus nach Port Douglas zu traveln. Dort gibt es die schoensten Straende Australiens und nur Luxushotels, d.h. keine Moeglickeit, Geld auszugeben, aber viele Moeglichkeiten Geld zu verdienen und einfach mal zur Ruhe zu kommen. Sydney ist eine Grossstadt und ich haenge hier einfach ein wenig in den Seilen. Ausserdem ist eine neu gewonnene Freundin schon dort und ich waere ihr gefolgt. Meine letzte Unternehmung, hier in Sydney eine Anstellung zu bekommen, hab ich dann Donnerstagnachmittag unternommen. Unter uns Backpackern heisst das "Pimp my CV", auf gut deutsch "Faelsche deinen Lebenslauf so, dass sie dich nehmen MUESSEN". So hab ichs dann auch gemacht. Laut CV habe ich eine steile Karriere hinter mir. Ich habe meine komplette Identitaet geloescht, mein Name ist jetzt nur noch das einzig Wahre daran. Da ich schon absolut auf Port Douglas eingerichtet war, hab ich den Lebenslauf nur so zum Spass in einem einzigen Cafe, eher gesagt einer Edeleisbude abgegen. Am Abend hatte ich den Job. Am naechsten Morgen wollte meine Gluecksstraene gar nicht mehr enden und ich bekam den Job als Night-Manager im Eva's, meinem ersten Hostel. Das bedeutete vorgesterngleich meinen vierten Umzug in vier Wochen. Und als Hoehepunkt aller Glueckseligkeit darf ich dort nach vier Wochen harter Entbehrung folgenden Luxus geniessen: Ich habe wieder ein Bett in der ersten Etage!!! Die naechtlichen Kletterpartien haben ein Ende, blaue Flecken ade. Einfach wunderbar. Ausserdem ist es hier einfach sauberer. Die Kakerlaken in dem anderen Hostel hatten monsterhafte Ausmasse, bestimmt 5 cm. Als mir am Sonntag eine aus dem Rucksack gekrabelt ist, war ich einfach zu muede, sie zu jagen. Die Dinger sind blitzschnell und toeten darf man sie ja auch nicht. Haette ich aber auch nicht gemacht, dafuer sind sie einfach zu gross. Da ist mein Mitleid groesser als mein Ekel. Generell hat sich meine Einstellung gegenueber ekligen Dingen hier sehr veraendert. Nicht nur, dass ich mich mit schimmeligen und stinkenden Baedern und fremden Haaren im Bett vollkommen zufrieden gebe. Nein, ich habe gestern einen Zucchini-Auberginen-Salad gegessen und der Schafskaese hier ist einfach koestlich!

 

Meine Freizeit verbringe ich hier immer noch groesstenteils alleine, weil wir alle so unterschiedliche Arbeitszeiten haben und mich Dinge interessieren, die den anderen total schnuppe sind. So war ich gestern zum Beispiel im Olympiapark. Ok, der war langweilig. Einfach nur die Sportstaetten. Und ich hab mir alles etwas groesser vorgestellt. Der Park an sich war riesig, aber die Stadione (keine Ahnung ob das die richtige Mehrzahl von Stadion ist) waren enttaeuschend klein. Wie mein alter Sportplatz. Nagut, vielleicht ein bisschen groesser. Und da ich das alles so langweilig fand, meine Nachtschicht erst in drei Stunden anfing und mein superteueres Travelticket (Bus, Bahn und Faehre zu einem Preis) am naechsten Tag, also heute, abgelaufen waere, bin ich vier Kilometer zum naechsten Faehranlegeplatz gewandert und mit dem Boot zurueck zum Circular Quay. Heute war meine Wanderlust immer noch nicht gestillt. Da ich ja in North Sydney arbeite, aber in Kings X wohne, muss ich jeden Tag morgens um halb sieben noch eine Stunde zur Arbeit fahren. Dabei ueberquere ich dann auch jeden Tag die Habour Bridge und sehe jeden Morgen die Sonne hinter der Sydney Oper aufgehen. Wunderschoen. Jedenfalls, zurueck zum Thema, denke ich, dass man nicht in Sydney gewesen sein darf, ohne die Bruecke einmal zu Fuss zu ueberqueren. Und das hab ich dann auch gemacht. Dannach gings zum ersten Mal fuer mich richtig ausfuehrlich in den Botanischen Garten. Da hab ich 1,5 Std. Mittagsschlaf auf der Wiese in der Sonne gemacht und dann hab ich mir den Garten noch so angeguckt. Die Pflanzen sind dort ganz aussergewoehnlich, aber da ich ihre Namen nicht kenne und sie auch nicht so spaektakulaer wie Tiere sind, moechte ich auch nur von letzteren berichten. Vor drei Wochen hatte ich nachts mit Caro im botanischen Garten meine erste Begegnung mit einem Opossum. Das hinterhaeltige Vieh hat sich einfach auf uns drauf fallen lassen. Nicht neben uns, auf uns! Dann gibt es noch Unmengen an Kakadus. Die sind klasse und aalen sich gerne vor Fotoapparatlinsen. Wenn einer von denen einen Alarmruf ausstoesst, erhebt sich eine ganze Wolke von ihnenaus allen Baeumen ueber den Garten. Wirklich schoen. Dann sind da noch die Loris. Die benehmen sich wie unsere deutschen Schwalben, machen dabei aber eine bessere Figur. Das sind ganz bunte Papageien, Deckfarbe gruen, mit blauen, gelben und roten Baeuchen. Und als letztes konnte ich noch die Flughunde beobachten. Die chillen den ganzen Tag kopfueber zu Tausenden (!!!) in den Baeumen, sind haengend ca. 50 cm gross und haben eine Fluegelspannweite von ungefaehr 1 m. Wenn die fliegen sind sie also "richtige" Fledermaeuse. Gruselig, aber beeindruckend. Morgen weiss ich noch nicht, was ich machen werde. Ich kann seit Tagen das erste Mal wieder ausschlafen und hab nur die Nachtschicht in meiner Eisdiele am Darling Habour (fuer alle, die die Sicht aus meiner Bude mal googlen und mich beneiden wollen...). Da ich mit meinen ganzen Jobs leider immernoch kein Geld verdiene und nur schwer die laufenden Kosten decken kann, werde ich Sydney wahrscheinlich in zwei Wochen verlassen. Entweder ich gehe nach Port Douglas in die absolut tropische Hitze oder nach Melbourne in die Fruehlingskaelte. Dort beginnt im November die Kirschernte. Was ich letztendlich mache, entscheide ich spontan. Mal schauen, worauf ich Lust habe und wohin mich meine Welle traegt. Und vielleicht, oder nein, ganz bestimmt eroeffnen sich in den naechsten Tagen noch viele weitere Moeglichkeiten fuer mich. Ich liebe dieses freie und ungebundene Leben, in dem ich jeden Tag neu entscheiden kann, was ich machen werde und wo es mich hintreibt. Fuer dieses Erlebnis bin ich schliesslich hergekommen, und das es so hart wird, konnte ich ja vorher schon erahnen.

4 Kommentare 10.10.07 10:32, kommentieren

Alltag

In den letzten Wochen bin ich eigentlich da angekommen, wo ich dieses Jahr garantiert nicht hinwollte: im Alltag. Nun gut. Ich stehe jeden Tag gemessen an meinem Schlafbedarf viel zu frueh auf, gehe in die Stadt, zur Arbeit, einkaufen (natuerlich immer nur essentiell wichige Dinge...), komme irgendwann ins Hostel zurueck, schiebe hier ne Nachtschicht, sitze danach noch zu Gemeinschaftszwecken ewig in der Kueche rum, obwohl ich immer schon zwei Stunden vorher verkuende, dass ich muede bin und heute mal frueh ins Bett wollte und da komm ich dann auch irgendwann mal hin. Seit ich in Australien bin, habe ich es erst einmal vor zwoelf geschafft, um mich dann doch wieder mit meinen reizenden Zimmergenossen zu verquatschen. Das ist jeden Abend immer wieder aufs Neue moeglich, obwohl ich und ein ominoeser Rucksack auf dem Schrank die einzigen Konstanten in diesem Raum sind. Durch alle anderen Betten findet fast taeglich ein fliegender Wechsel statt, was bei mir dazu fuehrt, dass ich mir einen fremden Namen erst ab einer Aufenthaltsdauer ab drei Tagen eventuell, moeglicherweise merke. Andererseits mache ich im merken langsam auch Schritte vorwaerts. Ich schaue seit ca. zwei Wochen zumindest meistens erst nachrechts, wenn ich ueber die Strasse gehe. Yipphie!!! Und auch in der Fussgaengerzone weiche ich schon automatisch nach links aus, was in den ersten Wochen nicht der Fall war und zu unschoenen Kollisionen fuehrte. Ich habe gelernt, dass hier die Fussgaengerampeln wirklich nur funktionieren und auf gruen schalten, wenn man drueckt und wenig spaeter habe ich gelernt, dass man hier als Fussgaenger eh nur ueber rote Ampeln geht, da die ewig langen Ampelphasen zum Einschlafen einladen. Hier eine kleine Anekdote fuer Zwischendurch: mein kulturelles Highlight der letzten Woche bestand darin, eine Kreuzung diagonal zu ueberqueren. Das ist hier nur bei einer moeglich und ich kam mir total komisch vor, hatte aber soviel Spass daran, dass ichs seitdem schon dreimal gemacht habe. Tja, sowas cooles habt ihr in Deutschland nicht. Denk ich zumindest. Keine Ahnung. Naja, jedenfalls, wieder zurueck zum Hauptthema: was ich schon alles gelernt habe. Ich weiss in welchem Supermarkt es das billigste Brot gibt und in welchem die billigste Milch, ich weiss, wie ich die Waschmaschinen ohne zu bezahlen zum Waschen bringe, ich muss schmerzlich feststellen, dass alle fuelligeren Menschen schnarchen und ein ganzes Doppelstockbett erheblich zum Wackeln bringen koennen, wenn sie sich nur umdrehen, wie ich mich billig durchschlagen kann, wenn ich im free food schrank unseres Hostels shoppen gehe und ich konnte, allerdings schon vor laengerem, meinem Stadtplan die Unabhaengigkeit erklaeren. Eigentlich ist nun Zeit fuer was neues. Meinen Eisdielenjob hab ich vor ein paar Minuten gekuendigt, weil ich dort einfach zu wenig verdiene und ab Montag fange ich entweder in einem niedlichen Cafe direkt neben der Oper am Circular Quay mit Blick auf Bruecke an, oder in einem Klamottenladen. Kann mich leider nicht entscheiden, was ich machen soll. Sowie die weit groessere Entscheidung, ob ich noch vor Weihnachten einen Monat nach Neuseeland gehen will, oder nicht. Weihnachten und Silvester verbringe ich auf jeden Fall hier in Sydney. Auf Reisen habe ich im Moment natuerlich Lust, aber andererseits bin ich dann auch meine gut bezahlten Jobs und meine Edelunterkunft los. Muss nur leider in den naechsten Tagen eine Entscheidung treffen, da der Flug sonst immer teurer wird und sich so das Thema zu schnell selbst erledigen kann. Also werde ich heute noch in mich kehren. Ausserdem bin ich nachher noch zum Kochen verabredet und es wird sich mal wieder ein langer Dachterrassen - Kuechen - Abend anschliessen. So wie immer. Vielleicht sollte ich doch langsam mal abreisen.

2 Kommentare 27.10.07 08:45, kommentieren