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Nun sitze ich hier einen Abend vor meiner Abreise nach Oz und weiß nicht recht, was ich schreiben soll. Von Familie und Freunden habe ich mich verabschiedet, aber mein Rucksack ist immer noch nicht gepackt. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil es so viele Dinge gibt, die ich hier in Deutschland schon hätte organisieren können und ich fühle mich katastrophal unvorbereitet, aber wahrscheinlich ist das nur die allgemeine Panik vor meinem Vorhaben, die sich momentan in mir ausbreitet.

Mein Vorhaben, für alle, die sich bis jetzt gefragt haben, wovon ich überhaupt rede, ist, die nächsten neun Monate in Australien zu verbringen. Ich möchte reisen, Land und Leute kennen lernen, in fremden Betten schlafen, mich von zu vielen Keksen ernähren... und einfach mal Abstand gewinnen, etwas Neues, etwas für mich selbst machen. Wer mich genauer kennt, wird meinen, dass diese Reise auf diese Art und Weise (es reimt sich ungewollt, ich schwöre) nicht zu mir passt. Nur zu oft habe ich den Satz gehört: "Du bist die Letzte, von der ich sowas erwartet hätte." Aber wahrscheinlich ist das das Spannende, was meine Reise ausmacht.

Auf diesen Seiten werde ich alle Interessierten über meinen Weg auf dem Laufenden halten. Zumindest werde ich es versuchen, soweit es die Stromversorgung und meine Schreiblust zulässt.

In den nächsten Einträgen werdet ihr außerdem noch mehr darüber erfahren, wie dieses ganze Unternehmen zustande kam, das ich im Übrigen nicht alleine bestreiten werde. Meine liebste Reisebegleiterin für die nächsten paar Monate ist Cari, aber davon später mehr. Schließlich packt sich mein Rucksack nicht von alleine. Aber schön wär's...

13.9.07 01:17, kommentieren



Ankunft

Zuerst einmal: wir sind gut angekommen. Nach ca. 27 Stunden Flug mit kurzen Aufenthalten in London und Singapur lassen sich schon einige wichtige und weniger wichtige Erkenntnisse, Meinungen und Fakten feststellen:

1) der Flug war lang, aber wir wurden gut beschaeftigt

2) wir haben eindeutig und bei vollem Bewusstsein zuviel gegessen

3) es gab 2 Sonnenuntergaenge, die scheinbar ewig dauerten und einen Sonnenaufgang innerhalb 5 Minuten

4) kleine Kinder nerven und lassen sich auch nicht abschalten

5) erste Depressionen bei Caro: der Englaender neben ihr versteht sie nicht

6) ich kann auch bei Filmen mit Johnny Depp und Orlando Bloom einschlafen - ganz neue Erfahrung

7)Thrombose-Strapse sind unbequem und haben nichts mit Erotik zu tun, ausserdem denkt man, alle sehen was man drunter traegt

...Alles in Allem war der Flug ne runde Sache. Zu Fuss haetten wir definitiv laenger gebraucht.

1 Kommentar 16.9.07 04:11, kommentieren

Hilfe auf libanesisch

Am Samstag war es bereits dunkel als wir in Sydney ankamen. Wir landeten in einem aus Lichtern, es war traumhaft schoen. Fuer Passkontrolle, Visum, Gepaeck abholen und vonDrogenhunden beschnueffelt zu werden, hat erstaunlicherweise nur 20 Minuten gedauert. Das reichte aber auch, da wir fast zwei Stunden Verspaetung hatten. Alswir aus dem Sicherheitsbereich traten, wurden wir gleich von zehn jubelnden Libanesen, Verwandte eines Kollegen meines Vaters, in Empfang genommen, bei denen wir sogleich die ersten Tage verbrachten. Ihre Gastfreundschaft war wirklich ueberwaeltigend.Ich war ja schon in vielen Gastfamilien, aber sowas hatteich noch nie erlebt. Sie haben uns nicht nur bei allen noch ausstehenden Formalitaeten geholfen, sodern uns gleich in ihr Familienleben integriert... okay, das Internetcafe schliesst, aber morgen starte ich einen zweiten Versuch...

19.9.07 15:01, kommentieren

zweiter Versuch...

Okay, da waren wir nun in dieser wunderbar netten Familie. Die ersten Tage gestalteten sich eigentlich nur so, dass wir lange schliefen, bis wir von Papageien (romantisch) oder der Hauptverkehrsstrasse nebenan (weniger romantisch) geweckt worden. Dann gabs Fruehstueck und danach gings den ersten Tag ins Zetrum des Suburbs und am naechsten in die eigentliche City. Wir haben uns erstmal Chinatown und den Zentralbahnhof angesehen - beides keine essentiellen Sehenswuerdigkeiten, aber es war ein Anfang. Abends waren wir die letzten Tage immer auf grossartigsten Familienfeiern und obwohl grad die Zeit des Ramadan ist, konnten wir jeden Abend die verlorenen Kalorien des Tages wieder gut machen. Es gab koestlichstes Essen, das uns diese fuer uns absolut neue Kultur ein Stueck naeher bachte. Darunter war auch afgahnisches Huhn, mein absolutes Lieblingsgericht, das ich seit dem jeden Abend in Massen verzehre. Meine Mutter laesst sich naemlich leider nur alle zwei Jahre dazu ueberreden, es zu kochen, da die Zubereitung so unglaublich viel Arbeit macht. (Ich hoffe, das war jetzt ein eindeutiger Wink mit dem Zaunpfahl...) So hatten wir nun also ein paar grossartige Tage in Sydneys Suburb Bankstown.

Seit Mittwoch leben wir in CBD-Naehe in Kings Cross, Sydneys Rotlichtviertel. Und um ehrlich zu sein: ich finds herrlich. Aber dazu spaeter mehr...

1 Kommentar 21.9.07 14:55, kommentieren

So. Seit Mittwoch befinden wir uns also in der Innenstadt Sydneys. Mit unserem Hostel hatten wir extremes Glueck: es erinnert stark an die Villa Kunterbunt, ist extrem sauber und die Maedels mit denen wir uns das Zimmer teilen sind recht auch okay. Da unsere Villa die deutsche Hochburg Sydneys ist, wird das hier leider nix mit dem Englisch lernen. Und da es auch recht teuer ist, schauen wir uns schon nach ner eigenen Wohnung um, d.h. wir bleiben hier erstmal ne Weile.

Bei der Jobsuche waren wir mehr oder weniger erfolgreich. Gestern haben wir im Prinzip einen in Aussicht bekommen, nachdem wir Fragebogen und Vorstellungsgespraech ueberlebt hatten... hatten uns anscheinend ganz gut verkauft, nachdem wir uns vorher ein paar Vokabeln zurecht gelegt hatten, die wir gleich an den Mann bringen konnten. Um ehrlich zu sein sind wir absolut ungeeignet fuer diese Arbeit. Wir sollen von Haus zu Haus ziehen und Familien dazu ueberreden, sich von dieser Firma Obst, Eier und andere Farmprodukte die aus Australien kommen direkt nach Hause kommen zu lassen. Ein absoluter Rethorik-Job, der fuer Englisch-nicht-Koenner wie mich grausam enden wird. Aber ich bleib erstmal optimistisch, am Dienstag gehts los.

 

Nun zu den angenehmen Dingen unseres Alltags:

Sydney ist eine wundervolle Stadt! Es ist alles recht gut zu Fuss oder per Bahn zu erreichen und so befinden wir uns taeglich auf grosser Erkundungstour. Im Prinzip bin ich dabei das Alphatier. Caro wuerde eine perfekte Gretel abgeben und sich nichtmal mit Kruemeln zurueck nach Hause finden. Ansonsten kann man immer auf die Hilfe der Leute hier zaehlen: wir brauchen nur leicht verzweifelt gucken, schon die kleinste Sorgenfalte reicht und jemand kommt und fragt sofort, ob er helfen kann. Hier leben wiklich gossartige Menschen. Grossartig sind auch Oper und Habourbridge (ich beglueckwuensche mich innerlich zu dieser geschickten Ueberleitung;-). Und auch sonst ist die Stadt mit ihren Parkanlagen und Haefen einfach sehenswert. Ausserdem ist es hier extrem sauber, was bei gefuehlten 2 Papierkoerben pro Quadratkilometer an ein Wunder grenzt. Noch weitere kleine Wunder:

a) ich bin noch am Leben: es herrscht Linksverkehr und ich entgehe mehrmals taeglich nur knapp dem Tod, obwohl Hinweisschilder direkt in die Richtung zeigen, aus der das naechste Auto kommt

b) der Mond steht auf dem Kopf und ist den ganzen Tag zu sehen

c) es ist total warm bei Wind wie auf dem Brocken, aber sobald die Sonne weg ist, beginnt das grosse frieren

d) von unserer Dachterrasse aus sieht man die komplette Skyline mit Bruecke und einem Stueck Operndach

Sobald wir etwas Geld verdienen, haben wir uns schon eine Menge vorgenommen: darunter verschiedenste Leckereien kochen, ein Opernbesuch, Theater. Also mal schauen, was die naechste Woche bringt.


2 Kommentare 22.9.07 12:17, kommentieren